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Projektbeschrieb

Unser Projektvorschlag ist es, ein ca. 50-minütiges Oboen-Rezital mit Lichtprojektionen zu gestalten. In diesem Konzert werden vier neue Werke von jungen Komponisten zur Uraufführung gebracht, welche in enger Zusammenarbeit mit der iranischen Fotografin Roya Noorinezhad entstehen. Das Projekt befasst sich mit der COVID19 Krise und deren Auswirkungen im Allgemeinen, insbesondere der Quarantäne und der Isolation. Dies ist also ein interdisziplinäres Projekt, bei dem Musik, Bildende Kunst und moderne Technologien verschmelzen und einen künstlerischen Blick auf die aktuelle Lage der Welt und die grossen Themen der heutigen Zeit ermöglichen.

Die vier Komponisten, Anna Sowa, Gitbi Kwon, Isandro Ojeda-García und Tobias Krebs, sind während des Schaffenprozesses in intensivem Austausch mit Roya Noorinezhad und dem Oboisten Vicente Moronta: eine Art Ping-Pong-Spiel, in dem die musikalischen und visuellen Ideen miteinander in einen Dialog kommen. Folgende Elemente werden im Schaffensprozess eine zentrale Rolle spielen: der Umgang mit Räumlichkeiten, der Begriff des „Raumes“ im Allgemeinen, die Kontextualisierung von Licht und Szenografie, die digitale Projektion, die Mobilität des Publikums und die (Selbst-)Inszenierung des Performers. Des Weiteren sollen die Kompositionen und Lichtprojektionen inspiriert werden durch Texte aller Art: Gedichte, Schlagzeilen, Social-Media-Beiträge, Statistiken, öffentliche Meinungen, Hashtags, Cartoons, Witze oder jegliche andere Art von schriftlichem Material.

Die Beschäftigung mit den virtuellen Medien ist ein weiterer wichtiger Aspekt des Projektes: Das wichtigste Kommunikationsmittel überhaupt, das Internet, entpuppt sich selbst als künstlerisches Objekt, auf das in verschiedenster Weise Bezug genommen wird. Die damit zusammenhängenden Gestaltungselemente wie z.B. Verzerrung, Verpixelung, Verzögerung, Brechung, Zeitlupe, Zeitrafffung etc. werden zu einem integralen Bestandteil der künstlerischen Arbeit,sowohl auf visueller als auch auf auditiver Ebene. So wird eine Brücke geschlagen zwischen den verschiedenen Bereichen.

Das Team für dieses Projekt besteht aus Künstlern mit unterschiedlichen soziokulturellen und künstlerischen Hintergründen. Dies soll der Nährboden werden für eine fruchtbare künstlerische Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. Die „Zeit der Quarantäne“ wird sowohl in konkreter als auch in abstrakter Weise verarbeitet zu einem vielfältigen Kaleidoskop aus Klang, Licht, Wort, Zeit und Raum, welches zum Denken anregt und sich mit existenziellen Fragen beschäftigt. Im Folgenden schreiben die beteiligten Künstler detaillierter über ihre eigenen Gedanken zum Projekt.

Anna Sowa

Diese Situation der Covid-19 Krise spiegelt sich nicht nur in sozialen, wirtschaftlichen und politischen Aspekten, sondern auch in internen, psychischen Zuständen. Die Isolation bewirkt, dass wir in grösserem Ausmasse auf uns selbst zurückgeworfen werden, konfrontiert mit unseren Gedanken, Ängsten und Träumen. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, in der man in Ruhe über gewisse Dinge nachdenken kann. Das hat sowohl positive als auch negative Aspekte: Einigen kann es helfen, mit sich selbst ins Reine zu kommen, bei anderen reisst es alte Wunden auf, welche durch die alltäglichen Beschäftigungen scheinbar verdeckt wurden. Dieser innere Kampf hat mich (als Komponistin) schon lange interessiert. Ich möchte die Emotionen, die mit diesem Zustand zusammenhängen, nicht nur in Bezug auf den Klang, sondern auch visuell und theatralisch zeigen. Die Geste des Performers löst den Klang aus. Handbewegung, Atem usw. werden zu einem Träger von Emotionen. Zusätzlich zu den theatralischen Momenten werde ich auch Elektronik und Video ins Stück einbeziehen.

annasowa.eu

Gitbi Kwon

Mit der physischen Separation aufgrund Covid-19 ist das normale, tägliche Leben sehr beschränkt. Die Isolation unterbricht die seit langem etabilierten Gewohnheiten und Lebensrhythmen. Ironischerweise aber haben Menschen in eingeschränkten Situationen das Gefühl, dass ihre Sinne erweitert werden, ähnlich der Entwicklung des Gehörsinns bei Blinden. Durch die vielen momentanen Beschränkungen ist zwar “der normale Alltag” beschränkt, doch es bietet sich dadurch auch die Gelegenheit, neue Freiheiten innerhalb dieser Beschränkungen zu entdecken. In anderen Worten: wir erhalten die Chance, uns intensiver mit unserem eigenen Innenleben und mit der Essenz des Lebens zu beschäftigen, was im stressigen Alltag normalerweise etwas zu kurz kommt. Die „Freiheit innerhalb von Beschränkungen“ ist der zentrale Aspekt meiner Arbeit. Des Weiteren sind folgenden Themen ebenfalls wichtig: räumliche Aspekte, Vorhang, Echo, Blockierung, Fließen, Verschnaufpause, das Gegensatzpaar offen/geschlossen.

gitbikwon.com

Isandro Ojeda-García

Der Titel meines Stückes für Oboe, Live-Elektronik und Live-Video heisst UNITS. Die Hauptinspiration dazu bildet die statistische Objektivität für die Darstellung der Krise (Covid-19 Pandemie), welche durch die staatlichen Institutionen und den Medien propagiert wird. Meine ästhetische Absicht wird es sein, die persönlichen Geschichten von einem distanzierten Gesichtspunkt aus zu erzählen: z.B. unpersönliche Zahlen, Statistiken, Inkremente/Dekremente in Video und Musik zu übertragen, um damit ins Bewusstsein zu rufen, wie wenig wir über die persönlichen Schicksale wissen. Eine traurige und besinnliche Geschichte

isandroojedagarcia.tumblr.com

Roya Noorinezhad

In meiner Projektarbeit beschäftige ich mich mit dem Begriff des „Raumes“: Einerseits gibt es in der Zeit der Quarantäne den „Raum“ von dem Zuhause, welcher Menschen und physische Dinge beinhaltet. Andererseitstut sich durch die virtuelle Kommunikation eine andere Art von „Raum“ auf: dasInternet als Chatraum. So geschieht eine Art „Hereinholen“ von anderen Räumen in das eigene Wohnzimmer. Im Rahmen dieses Projektes soll die Entstehung eines konstruierten Raumes künstlerisch verarbeitet werden. Sowohl im Entstehungsprozess als auch während der Präsentation spielt die Kommunikation zwischen verschiedenen Medien eine entscheidene Rolle. Ein weiterer wichtiger Punkt meiner Arbeit sind die Begriffe „Stillstand und Bewegung“. Sowohl das Titel-Foto mit dem Stein, in Eis eingeschlossen, als auch die Fotosmit Wasseroberflächen zeigen meine Auseinandersetzung mit diesen Themen.

roya-noorinezhad.com

Tobias Krebs

Das Solo-Werk kann eine Metapher sein für die Isolation - ein einziger Künstler auf der Bühne, ganz auf sich allein gestellt, dem Urteil des Publikums schonungslos ausgesetzt. In meiner Komposition für Oboe Solo beabsichtige ich, an die Grenzen des physisch Spielbaren zu gehen - an die Grenzen des Instruments und des Performers. Extrem hohe, schneidende Töne, kontrastiert durch leiseste Nuancen, deren die Oboe fähig ist. Auf diese Art möchte ich die „Schattenseiten“ der Oboe erforschen und erfahrbar machen. Im Ganzen soll die Performance eine Art „Hochseilakt“ darstellen: Aufgrund der Fragilität und der Auslotung der Grenzen soll es eine Herausforderung für Performer und Publikum werden. Dadurch wird die Exponiertheit bzw. die Isolation des Solo-Performers noch stärker in den Fokus gerückt.

tobiaskrebs.ch

Vicente Moronta

Er wurde in Venezuela geboren und studierte Oboe mit Ricardo Riveiro (Caracas), Diethelm Jonas (Lübeck) und Emanuel Abbühl (Basel). Über ein Jahrzehnt war er Mitgleid des Symphonieorchesters "Simón Bolívar". Er hat unter der Leitung von Claudio Abbado, Simon Rattle, Heinz Holliger und Gustavo Dudamel gearbeitet; in renommierten internationalen Festivals teil und auf Aufnahmen für die Deutsche Grammophon, das National Radio von Frankreich und dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Er hatte die Möglichkeit bis heute Tag verschiedene Uraufführungen bei Komponisten wie Rudolf Kelterborn, Stefano Gervasoni, Esa-Pekka Salonen, Adrián Suárez, Elnaz Seyedi, Alex Nante, Hinako Takagi, Joan Magrané Figuera, unter anderen teilzunehmen. Er hat als Solist und Ensemblemusiker bei den zeitgenössischen Musikfestivals als Impuls (Graz), Ensems (Valencia), Klangspuren (Innsbruck), Sonemus (Sarajevo), Darmstädter Ferienkurse (Darmstadt), CEPROMUSIC (Mexiko Stadt), CCMC (Bogotá) und Zeit Räume (Basel) teilgenommen. Vicente hat sich spezialisiert auf zeitgenössische Musik an der Musik Akademie Basel unter der Leitung von Mike Svoboda, Marcus Weiss und Jürg Henneberger.

youtube.com/channel/UCNSMG1QLdxhp9YK8o7hlupQ

Ziel

Im Kontext der globalen Krise, die aus COVID-19 resultiert, wollen wir einen Beitrag zur Reflexion über aktuelle Themen leisten. Wir präsentieren Quarantäne und Isolation als eine Quelle für schöpferische Kraft. Dieses Klangerlebnis, inspiriert von Fotografien und Geschichten aus dieser Zeit, will falsche Dichotomien und Antagonismen zwischen Menschen verwischen und zu neuen Werte und Perspektiven inspirieren.

Zielgruppe

Wir sind ein Kollektiv junger Künstler, bestehend aus vier in der Schweiz lebenden KomponistInnen verschiedener Nationalitäten (Anna Sowa Polen/CH-Basel, Gitbi Kwon Südkorea/CH-Basel, Isandro Ojeda Spanien/CH-Genf und Tobias Krebs, Schweiz), einem Performer und Oboisten (Vicente Moronta Venezuela/CH-Basel) und einer bildenden Künstlerin (Roya Noorinezhad Iran/Deutschland). Dieses Projekt namens SONGS OF REEDS wurde im Sommer letzten Jahres während des ersten Lockdowns ins Leben gerufen. Die Absicht dieses Projekts ist nicht, Profit zu machen, sondern eine transdisziplinäre Szene zu schaffen, die die Türen für die Reflexion über die aktuellen komplexen Momente im Angesicht einer transformativen und alternativen Zukunft öffnet.

Zeitplanung

Am 15.08.2021 Präsentation von Fotografien durch den Bildenden Künstler
Vom 15.08.2021 bis 31.08.2021 Zusammenarbeit zwischen dem Bildenden Künstler und den Komponisten
Am 15.09.2021 Übergabe der ersten Skizze der Komposition an den Interpreten
Vom 15.09.2021 bis 30.09.2021 Zusammenarbeit zwischen den Komponisten und dem Interpreten
Vom 01.10.2021 bis 13.10.2021 Proben
Vom 14.10.2021 bis 22.10.2021 Konzerte .

Ort/Datum der Veranstaltungen

10.10.2021 - Basel ACKERMANNSHOF
11.10.2021 Biel - La VoirieR
12.10.2021 - Zürich WALCHETURM
13.10.2021 Luzern - NEUBAD
14.10.2021 Bern – PROGR